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Pogromstimmung?

Der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, fühlt sich an eine "Pogromstimmung" gegen die katholische Kirche erinnert. "Gezielte Diskreditierungskampagnen gegen die katholische Kirche in Nordamerika und auch bei uns in Europa haben erreicht, dass Geistliche in manchen Bereichen schon jetzt ganz öffentlich angepöbelt werden. Hier wächst eine künstlich erzeugte Wut, die gelegentlich schon heute an eine Pogromstimmung erinnert", sagte Müller in einem Interview mit der Tageszeitung "Die Welt". In Blogs, aber "auch im Fernsehen", würden "Attacken gegen die katholische Kirche geritten, deren Rüstzeug zurückgeht auf den Kampf der totalitären Ideologien gegen das Christentum".

Als "Ausschreitungen gegen eine religiöse, nationale oder rassische Minderheiten" definiert der Duden ein Pogrom. Die gibt es tatsächlich gegen Katholikinnen und Katholiken, Christinnen und Christen weltweit. Christen in Not - Christian Solidarity International weiß davon lange zu berichten. Dort geht es um Leben oder Tod. Aggressive antikirchliche Stimmung in Nordamerika und in Europa ist noch lange nicht mit der tatsächlichen Verfolgungssituation an anderen Enden der Welt zu vergleichen. Europäische Befindlichkeiten haben hier den Blick auf die weltweite Perspektive getrübt. Dabei sollte doch gerade in Rom der Blick auf den weiten Horizont gepflegt werden. Diese Beschreibung der Lage mit dem Blick auf den Westen ist sachlich falsch.

Der Vergleich der Kirche im Westen mit dem jüdischen Volk, das tatsächlich auch hier über Jahrhunderte unter Pogromen - Gewalt, Vertreibung und Vernichtung - zu leiden hatte, ist auch aus geschichtlicher Perspektive nicht angemessen. 75 Jahre nach dem November 1938: "Attacken in Blogs" heute mit dem damaligen Geschehen durch die Wortwahl in Verbindung zu bringen, ist mehr als gewagt.  Der internationale Direktor des amerikanisch-jüdischen Komitees für interreligiöse Angelegenheiten, Rabbi David Rosen, nahm Müller zwar gegen den Vorwurf der deutschen Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) in Schutz, die dem Erzbischof einen Holocaust-Vergleich unterstellt hatte. "Kein Vergleich mit den Grausamkeiten der Schoa ist je angemessen", sagte Rosen der "Welt". "Ebenso klar ist für jeden vernünftigen Menschen, der die Worte Erzbischof Müllers nachliest, aber auch, dass ein solcher Vergleich keineswegs in dessen Absicht war. Dies dem Interview zu entnehmen, kann nur das Ergebnis einer böswilligen Absicht sein."

Stimmt. Müller hat nicht gesagt: "Wir sind die neuen Juden". Aber Pogrome gab es nicht nur ab 1933. Dieser Begriff und seine Geschichte der Verfolgung jüdischer Menschen (Männer, Frauen und Kinder wurden um ihr Hab und Gut, Leben und ihre [Gottes]Häuser gebracht - nicht nur Funktionäre in den Medien kritisiert, wie Müller es nun beklagt - haben eine lange leidvolle Tradition, die nun die katholische Kirche nicht so einfach auf sich beziehen kann.

Markus Himmelbauer

News

Dialog der Religionen - Ein Kommentar von Helmut Nausner

Am 17. Mai 2016 hat in der Wiener Tandelmarktgasse ein Podiumsgespräch zum Thema »Der christlich-jüdische Dialog aus Sicht der jüdischen Gemeinden« stattgefunden. Eine spürbare Zurückhaltung der jüdischen Gemeinden, manchmal auch verbunden mit Skepsis und etwas Argwohn in diesem Dialog ist durchaus zu verstehen. »Dialoge« zwischen Juden und Christen in der Vergangenheit hatten offen oder verdeckt immer das Ziel, die jüdischen „Dialogpartner“ zum Christentum zu bekehren.

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egger sarah webDie junge Stimme des jüdisch-christlichen Dialogs

Der interreligiöse Dialog in Österreich hat seit kurzem ein neues Gesicht: Die 23-jährige Studentin Sarah Egger aus Wien ist neue Generalsekretärin des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Egger soll das Anliegen der jüdisch-christlichen Zusammenarbeit an die nächste Generation weitergeben. Hören Sie die Sendung im ORF Radio Ö 1 "Erfüllte Zeit" vom 25.10.2015.

logo kathpressKathpress Dossier: Tag des Judentums

Die Nachrichtenagentur kathpress bietet auf ihrer Website einen Themenschwerpunkt zum 17. Jänner - Tag des Judentums. Link zum kathpress Themenschwerpunkt


jaeggle4Es bleibt noch viel zu tun

In der Ö1 Morgensendung des ORF-Radios "Erfüllte Zeit" am Sonntag, 17. Jänner 2016, sprach Koordinierungsausschuss-Präsident Martin Jäggle über den christlichen Antisemitismus. Die Sendung zum Nachhören: Link auf religion.orf.at