Generalversammlung 2013

Wien. Bei der Generalversammlung des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit am 13. Mai 2013 im Bulgarischen Kulturinstitut wurde der bisherige Vorstand in seinen Funktionen bestätigt. Vier Personen wurden mit der Ehrenmitgliedschaft des Vereins ausgezeichnet.

aichernFür den emeritierten Linzer Diözesanbischof Maximilian Aichern sei das Bewusstsein der Verantwortung der Christen nach der Schoa, aber auch die Begegnung mit der konkreten jüdischen Gemeinde von heute ein „selbstverständlicher Teil seines Dienstes". Er habe sich der Herausforderung gestellt, die die Last der ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen, Gusen und Ebensee im Gebiet der Diözese Linz für die Christen bedeutet. Das Gedenken sei ihm nicht lästige Pflicht, sondern ein Dienst der geistigen Verbundenheit mit den Opfern und ein Akt der spirituellen Reinigung der katholischen Ortskirche. Die Weggemeinschaft der Kirche mit der jüdischen Gemeinde sei in seiner Theologie und Praxis selbstverständlich geworden.

Die Historikerinungarklein2 Brigitte Ungar Klein, ab 1996 Leiterin des Jüdischen Instituts für Erwachsenenbildung, habe in „vorbildlicher Dialogbereitschaft" das Institut zu einem verlässlichen und professionellen Partner in der Bildungsarbeit gemacht. Aber auch abseits des offiziellen Kursprogramms stand Sie dem christlich-jüdischen Dialog als Netzwerkerin in der jüdischen Gemeinde und als wertvolle Beraterin hilfreich zur Seite. Ihre bevorstehende Pensionierung möge "nun nicht eine Beendigung Ihrer Arbeit als Brückenbauerin zur Folge haben" heißt es in der Laudatio.

  szecsi2Der katholische Philologe und Altorientalist Jószef Szécsi war bald nach der „Wende" 1989 Gründer der „Christlich-jüdischen Gesellschaft in Ungarn". Seither sei er ehrenamtlich als ihr geschäftsführender Präsident tätig. In unbestrittener Loyalität zur Kirche sage er auch deutlich, wo es „in Vergangenheit und Gegenwart Reibungspunkte und Stolpersteine gibt, die dem christlich-jüdischen Erneuerungsprozess seit dem Konzil entgegen stehen". In mehreren Beiträgen in der Quartalsschrift des Koordinierungsausschusses „Dialog – DuSiach" habe er die Lage des christlich-jüdischen Dialogs und das Phänomen des Antisemitismus in Ungarn dargestellt.

vargaDer pensionierte Hoteldirektor Béla Varga ist das „jüdische Gesicht" der „Christlich-jüdischen Gesellschaft in Ungarn". Er und Jószef Szécsi arbeiteten eng zusammen, „sie treten oft gemeinsam auf und halten das Thema der christlich-jüdischen Verständigung in Ungarn wach". Die Begegnung und Aussöhnung mit den Christen sei Varga – der in der NS-Zeit als jugendlicher Zwangsarbeiter in Wien-Simmering interniert war – ein besonderes Anliegen. Seit mehr als einem Jahrzehnt hält er Kontakt mit dem Koordinierungsausschuss, was Anlass für nahezu jährliche grenzübergreifende Treffen christlich-jüdischer Initiativen im Donauraum ist – in Wien, Eisenstadt, Budapest oder im rumänischen Arad. Im September 2012 sprach er als Zeitzeuge auf Einladung der römischen Basisgemeinde Sant'Egidio vor 2.000 Jugendlichen in Auschwitz.

Die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an Szécsi und Varga sei „ein Dank für ihre Verdienste im Nachbarland, ein Zeichen der Freundschaft mit Ihnen und eine Ermutigung, in diesen politisch umstrittenen Zeiten in ihrem Engagement nicht nachzulassen", so der Generalsekretär des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Markus Himmelbauer. 

Erich Leitenberger, Pro Oriente

 

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