Erinnerung an den Währinger Tempel

Wien. Am 16. Jänner 2014 fand in der Kapelle der Schulbrüder in der Schopenhauerstraße eine Gedenkfeier an den Währinger Tempel statt. Das 1938 zerstörte Gotteshaus stand in der Schopenhauerstraße 39.

Dwaehring1ie Initiative und die Einladung für diese Gedenkfeier ging aus vom Ökumenekreis des Dekanates 18 in Zusammenarbeit der ökumenisch vernetzten Dekanate 13 bis 19.

Nach der Begrüßung durch Dechant Norbert Rodt (kath., Gersthof) sprach Professor Martin Jäggle, Präsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, einleitende Worte. Er zitierte Papst Franziskus: „Gott ist dem Bund mit Israel immer treu geblieben, und die Juden haben trotz aller furchtbaren Geschehnisse dieser Jahrhunderte ihren Glauben an Gott bewahrt. Dafür werden wir ihnen als Kirche, aber auch als Menschheit, niemals genug danken können."

waehring2Getragen durch synagogale Gesänge

Es war wohl das erste Mal, dass ein jüdischer Kantor in dieser Kapelle gesungen hat. Kantor Robert Singer erklärte kurz die Texte (z.B. „Höre Israel") und sang dann auf Hebräisch die von ihm vorbereiteten Gesänge. Eine Schriftrolle, ein siebenarmiger Leuchter und eine von Kindern gestaltete Kerze lagen am Altar.

Mit klaren Worten wurde von Pfarrer Peter Zitta (kath., Weinhaus) das Schuldbekenntnis aus der Liturgie des Ökumenischen Rates zum „Tag des Judentums" vorgetragen. Daraus einige Sätze: „Herr, unser Gott, wir bekennen vor dir, dass wir uns als Kirchen schuldig gemacht haben an deinem Volk Israel. Wir bitten dich um dein Erbarmen und deine Vergebung. Öffne uns die Augen für das Geheimnis deiner Wege. Wir bitten dich um dein Erbarmen und deine Vergebung."

Roger Wüst (Dekanat 17) und Elisabeth Lutter (Dekanat 19) trugen abwechselnd die Fürbitten vor. Während der Fürbitten zündete ein Schulkind Kerzen an und verteilte sie mit konzentriertem Ernst und Sorgfalt an viele der Anwesenden.

waehring3Geschichten zu einem historischen Ort

Gregor Viilukas las aus dem Buch „Als hätten wir dazugehört" Erinnerungen von George V. Wolfe und einen Text von Doris Weis (Leiterin des Währinger Bezirksmuseums) über den Bau der Synagoge.
Besonders gefreut haben wir uns, dass die Urenkelin des Architekten des Währinger Tempels Jakob Modern, Elisabeth Ganglberger, bei dieser Feier anwesend war und ein paar Worte an die Anwesenden gerichtet hat. „Obwohl ich sehr oft durch die Schopenhauerstraße spazierte, wurde mir erst 1995 klar, dass Jakob Modern mein Urgroßvater ist", erzählte sie.

Am Ende der Feier wurde der aaronitische Segen von Pfarrer Norbert Rodt und dem evangelischen Pfarrer i.R. Manfred Golda gesprochen und unvergleichlich melodiös von Kantor Singer gesungen. Danach zogen wir mit den Kerzen und mit dem Gesang „Schalom Chaverim" an den Ort der ehemaligen Synagoge Schopenhauerstraße 39 zu einem stillen Gedenken.

Mit einer Agape, gerichtet von Direktorin Eva Lenz, schloss die Feierstunde, die wohl erstmals an diesem Ort Juden und Christen verschiedener Konfessionen zu einem so berührenden Gebet vor dem einen Gott versammelte.

Heinrich Bica (Ökumenekreis 18)

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