graz2016-1Wenn Fremde in eurem Land wohnen

Graz. Das Motto für den ökumenischen Gottesdienst zum heurigen „Tag des Judentums" in der Grazer Herz-Jesu-Kirche war brandaktuell.

Die biblische Lesung aus dem Buch Levitikus des Alten/ Ersten Testaments ließ mit folgenden Sätzen aufhorchen: „Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen." (Lev 19,33-34)

Die Hebräische Bibel und die jüdische Tradition sind die ersten Quellen, die das Menschenrecht auf Asyl, Gastfreundschaft und menschenwürdige Behandlung von Fremden bezeugen. Ottmar Fuchs, emeritierter Pastoraltheologe aus Tübingen, betonte in seiner Predigt, dass das biblische Gebot der Fremdenliebe nicht einer von Menschen erfundenen Pflicht entspringt. Vielmehr ist es die Zuneigung des Heiligen selbst, die einen Raum gegenseitiger Achtung und Solidarität eröffnet, unabhängig von Verwandtschaft, Religion oder Nationalität. Das Leben jedes Menschen als heilige Gabe Gottes und als Ausdruck seiner Liebe zu erfahren, und aus dieser Erfahrung selbst zu Schenkenden und Liebenden zu werden, das sei der größte politische Beitrag, den die Religionen zur Bewältigung der globalen Krisen leisten könnten.

graz2016-2Der „Tag des Judentums" wird jedes Jahr am 17. Jänner als Auftakt zur Weltgebetswoche für die Einheit der Christen begangen, um Zeichen der Verbundenheit des christlichen Glaubens mit dem jüdischen zu setzen. Im ökumenischen Zusammenstimmen von Gebet, Musik, Gesang, Bekenntnis und Verkündigung ist es auch heuer gelungen, eine zentrale Dimension des Glaubens in ihrer jüdischen Ursprungsgestalt zu erkennen und zu feiern. Es war ein Geschenk und eine besondere Freude, dies wieder gemeinsam mit jüdischen Gästen tun zu können.

Peter Ebenbauer
Fotos (3): Ivo Velchev

oben: Der Flötist Benedek Fülep
unten: Der Prediger Prof. Ottmar Fuchs

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