Himmelbauer, Markus

Vielfalt an Initiativen des Dialogs in Österreich

Am Ende dieser Kirchenzeitungsserie, deren Ziel die Bewußtwerdung und Vertiefung der christlich-jüdischen Beziehungen ist, stellen wir Ihnen konkrete Initiativen vor, die Impulse in diesem Prozeß setzen und ihn kontinuierlich weiter tragen. An die angegebenen Adressen können Sie sich um fachkundige Begleitung und Unterstützung für weitere Schritte in Ihrer Gemeinde und Ihrer Runde wenden.

Der Koordinierungsausschuß für christlich-jüdische Zusammenarbeit wurde 1956 auf Initiative von Kardinal König als Sektion der Friedensbewegung Pax Christi ins Leben gerufen. Dieser Verein in ökumenischer Trägerschaft ist die einzige Einrichtung Österreichs im Bereich der Kirchen, die sich ausschließlich dem christlich-jüdischen Dialog widmet. Das Christlich-jüdische Informationszentrum und seine umfangreiche Bibliothek in Wien stehen als Ort für Seminare und als Servicestelle für Anfragen zur Verfügung. Hier finden Sie inhaltliche Unterstützung bei der Planung von Veranstaltungen im eigenen Bereich und Kontakte zu Referentinnen und Referenten.

Hilfen für ihre Arbeit

Lokale Christlich-jüdische Komitees arbeiten in Innsbruck, Graz und Salzburg. Vor allem in Salzburg werden in Zusammenarbeit mit dem Bildungshaus St. Virgil regelmäßig Vorträge, Reisen und Stadtführungen angeboten. Eine traditionsreiche Veranstaltung in Linz ist die alljährliche “Begegnung in der Synagoge“, getragen vom “Forum St. Severin“ der Katholischen Aktion.

Vier- bis fünfmal jährlich gibt der “Koordinierungsausschuß für christlich-jüdische Zusammenarbeit“ die Zeitschrift “Dialog-Du Siach“ heraus. Wissenschaftliche Beiträge, Veranstaltungshinweise, Rezensionen und Kommentare zu Fußangeln und Gedankenlosigkeiten im Bereich christlich-jüdischer Verständigung sind ein Querschnitt durch den Inhalt der Hefte. Auf den Leserbriefseiten heiß diskutiert wird etwa die Frage, ob Christinnen und Christen das Sedermahl zum jüdischen Pessachfest feiern sollen. Die einen betrachten es als Vereinnahmung und Enteignung jüdischer Traditionen und lehnen dies ab. Für andere ist es eine wertvolle Hilfe zu verstehen, was beide Religionen verbindet.

Eine wichtige Drehscheibe für das christlich-jüdische Gespräch ist ein Arbeitskreis der Katholischen Aktion Österreichs. Von hier gehen Impulse für Bewußtseinsbildung innerhalb kirchlicher Strukturen aus, und es wird zu aktuellen Diskussionen Stellung bezogen. Die Sammelmappe “Was Christen vom Judentum wissen sollten“ stellt grundlegende Themen jüdischen Selbstverständnisses vor. Für dieselbe Zielgruppe liefert die “Bibelsaat“ des Katholischen Bibelwerkes Linz praktische Anleitungen, biblische Texte auf dem Hintergrund der jüdischen Tradition, aus der sie kommen, zu verstehen.

Eine wertvolle Hilfe zur Gottesdienstgestaltung ist die Zeitschrift “Perikopen“ des Österreichischen Katholischen Bibelwerks Klosterneuburg. Für jeden Sonntag stellt sie zu den Tageslesungen und Themen des Gottesdienstes selbstverständlich und kontinuierlich den Bezug zu den jüdischen Quellen christlicher Spiritualität her. Bei der Medienstelle im Pastoralamt der Diözese Linz ist die Tondiareihe “Die Juden von Steyr“ zu entlehnen. Die Recherchen, die Waltraud Neuhauser-Pfeiffer und Karl Ramsmaier im Vorjahr in einem gleichnamigen Buch veröffentlicht haben (Edition Geschichte der Heimat), sind hier prägnant und einfühlsam zusammengefaßt. Die Diareihe erzählt auch vom langen und schwierigen Prozeß der Dokumentation der Geschichte der jüdischen Gemeinde von Steyr und nennt konkrete Schritte des Gedenkens. Sie kann beispielhaft für die christlich-jüdischen Beziehungen in unserem Raum stehen und ist auch über den lokalen Bezug hinaus interessant.

Verständigung konkret

Junge Menschen haben die Möglichkeit, an Holocaustgedenkstätten im Ausland Gedenkdienst zu leisten. Betreuung von Besucherinnen und Besuchern, wissenschaftliche Forschung und die Mitarbeit bei Planung und Durchführung von Veranstaltungen ist ihre Aufgabe, ob am Holocaust Memorial Museum in Washington, im Jüdischen Museum in Wilna, in Museum und Gedenkstätte Auschwitz oder in Yad Vashem, Holocaustgedenkstätte in Jerusalem. 14 Monate Gedenkdienst werden als “Zivildienstersatz im Ausland“ anerkannt. In der Zeitschrift des Vereins Gedenkdienst, der Träger und Drehscheibe der Auslandseinsätze ist, werden Möglichkeiten des Erinnerns und Gedenkens an die Shoah – in Schule und Jugendarbeit – vorgestellt und diskutiert.

Dr. Markus Himmelbauer,
Leiter des Christlich-Jüdischen Informationszentrums in Wien

 

Kontaktadressen
  • Koordinierungsausschuß für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und Christlich-Jüdisches Informationszentrum, 1180 Wien, Gentzg. 14/5, Tel./Fax 01/479 73 76
  • Christlich-Jüdisches Komitee Innsbruck, Andreas Vonach, 6020 Innsbruck, K. Rahner Pl. 3, Tel. 05 12/507-86 04
  • Christlich-Jüdisches Komitee Graz, Richard Ames, 8010 Graz, Uhlandg. 18, Tel./Fax 03 16/82 72 56
  • Christlich-Jüdisches Komitee Salzburg, Denis Stürzl, 5026 Salzburg, E. Grein Str. 14, Tel. 06 62/65 901-531
  • Arbeitskreis für Christlich-Jüdische Verständigung der Katholischen Aktion Österreichs, 1010 Wien, Spiegelg. 3
  • Verein Gedenkdienst, Sascha Kellner, 1040 Wien, Treitlstr. 3 Tel./Fax 01/581 04 90

 

 

© Copyright 1999. Mit freundlicher Genehmigung der Kirchenzeitung der Diözese Linz

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