Einleitungstext zum italienischen Tag der Vertiefung und des Studiums des Dialogs zwischen Katholiken und Juden am 17. Jänner 2005

Liebe also den Herrn, deinen Gott, mit ganzem Herzen …
Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst

In dieser Zeit, die von Hass gezeichnet, mit Blut befleckt und von Spaltung gequält wird, finden Juden und Christen im Wort Gottes eine gemeinsame Quelle der Inspiration. Im Buch Deuteronomium steht: „Höre Israel! Der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“ (Dtn 6,4-5) Und das Buch Leviticus fügt hinzu: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Lev 19,18)
Jesus antwortet dem Schriftgelehrten, der ihn über das „erste aller Gebote“ befragt, indem er diese beiden Stellen verbindet und noch einmal darauf hinweist: „Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden.“ (Mk 12, 29-31) Mose und Christus bekennen hier übereinstimmend, dass die tiefste Seele des Gesetzes die Liebe ist.

Ebach, Jürgen

Keine 2000 Jahre Christentum

Derzeit gibt es gefördert von den Landeskirchen, durchgeführt von zahlreichen Gemeinden und Gruppen, spektakuläre Veranstaltungen und Shows, die „2000 Jahre Christentum“ feiern. Was ich daran skandalös finde, ist nicht die merkwürdige Berechnung des genauen Datums. Ob Jesus vor 2000, vor 1999, schon vor 2003 oder erst vor 1995 Jahren geboren wurde, das scheint für den christlichen Glauben unerheblich. Ob es allerdings in unserem Bewusstsein seit 2000 Jahren das Christentum gibt, das ist für den christlichen Glauben keineswegs unerheblich.

Dirscherl, Erwin

Juden und Christen beten den selben Gott an

Die Einzigkeit Gottes und die Anderheit von Judentum und Christentum

Juden und Christen beten den selben Gott an. Die Bedeutung dieses Satzes ist nicht hoch genug zu veranschlagen. Aus christlicher Sicht ist dieser Satz eine Selbstverständlichkeit, da wir sonst die Herkunft und Botschaft Jesu nicht ernst nehmen würden, aus jüdischer Sicht aber angesichts der Differenzen in der Christologie und trinitarischen Gottrede eine große Errungenschaft, die das Dokument Dabru Emet so wertvoll macht. Juden und Christen beten den einzigen Gott an. Warum entspricht der Einzigkeit Gottes nicht eine einzige Religion? Können zwei Religionen glaubhaft von dem selben Gott Zeugnis ablegen?

Dirscherl, Erwin

Das Jude-Sein Jesu und seine

Konsequenzen für die Dogmatik

Das Jude-Sein Jesu konfrontiert mit dem gültigen Bund Israels

Die Frage nach dem Ursprung Jesu als Frage nach der Erwählung Israel
Wenn die christliche Dogmatik nach dem Ursprung Jesu fragt, dann führt dies sehr schnell in das Geheimnis Gottes hinein. Schon die ntl. Ansatzpunkte einer sog. Präexistenzchristologie machen deutlich, dass bei der Frage nach der Bedeutung und dem Ursprung Jesu die Gottesfrage zur Debatte steht. Aus diesem Ansatzpunkt entfaltet sich schließlich eine trinitarische Gottrede

Dieckmann, Detlef

„Die neue Bibelübersetzung soll dem gegenwärtigen

Gespräch mit Jüdinnen und Juden gerecht werden.“

Seit den achtziger Jahren wuchs in den Vorbereitungsgruppen des deutschen evangelischen Kirchentags die Überzeugung, dass es einen Bedarf für eine neue Bibelübersetzung gibt. Denn keine der vielen deutschsprachigen Übersetzungen berücksichtigte die neuesten exegetischen Meinungen und die Veränderungen, die in der Theologie, in der Gesellschaft und in den Sprachgewohnheiten der Menschen feststellbar waren. Deshalb haben die Kirchentagsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter die biblischen Texte für den Kirchentag stets neu ins Deutsche übertragen und sich dabei die folgenden vier Kriterien auferlegt:

Crüsemann, Frank

Die Kinderfrage und die christliche Identität

angesichts des Judentums 5. Mose 6,20-25

„Wenn dein Kind dich morgen fragt“ – die Frage aus Dtn 6,20, die das Motto des Deutschen Evangelischen Kirchentags 2005 bildet, wird in ihrem biblischen Zusammenhang durch Kernstücke jüdischer Identität beantwortet. Dazu gehören die Verweise auf die Herausführung aus Ägypten und auf die Verheißung des Landes. Vor allem aber steht sie in Zusammenhang mit dem Text, der wie kein anderer Ausdruck jüdischen Glaubens ist, dem „Höre Israel“/Schma' Jisra'el (6,4-9), das jeder fromme Jude morgens und abends betet, das im Zentrum jedes Gottesdiensts steht und ein jüdisches Leben von Anfang bis zu Ende begleitet. Was bedeutet diese Antwort für uns Christen? Wie sollen, wie können wir mit ihr umgehen? Wie hängt sie mit den Antworten zusammen, die wir unseren Kindern zu geben haben?

Bodendorfer, Gerhard

Gedanken in der Karwoche

Gründonnerstag

Die Erzählung von Jesus auf dem Ölberg, an die uns jeder Gründonnerstag erinnert, beschreibt nicht nur das urmenschliche Verhältnis Jesu zum Leid, sein Seufzen und Klagen vor Gott, seine Einsamkeit, sie schildert auch seine ihn umgebenden Menschen in Verhaltensweisen angesichts einer Krise. Da sind die wieder einmal versagenden Jünger, die schlafen, anstatt zu wachen und Jesus damit im Leid zu stärken. Da ist Petrus, der Jesus alles verspricht und ihn schließlich verleugnen wird. Und da ist Judas, der Jesus an die Obrigkeit verrät. Petrus, den Jesus einmal sogar als Satan bezeichnet hatte, reagiert auch noch in der Gewaltbereitschaft falsch, als er einem Römer das Ohr abschlägt.

Bodendorfer, Gerhard

Auschwitz stellt unser Reden über Gott in Frage

„Shoah” bedeutet Vernichtung, Zerstörung – mit diesem hebräischen Begriff wird seit Claude Lanzmanns Dokumentation „Shoah” der Völkermord am Judentum bezeichnet. Das aus dem religiösen Bereich stammende „Holocaust“ wurde durch Elie Wiesel bekannt und weist auf das biblische Ganzopfer hin (eine Opfergabe wurde zur Gänze verbrannt). Angesichts von Auschwitz hielt man es für fatal, von einem „Opfer” zu sprechen. Die Sinnlosigkeit, die Brutalität und das ganz und gar nicht Freiwillige soll verstehbar in Sprache ausgedrückt werden. Kein Wort ist aber imstande, die unfaßbare, grauenhafte und doch so geplant vorgehende Tötungsmaschinerie zu beschreiben. Auch ein Ausdruck wie „Genozid” (Völkermord) trifft nur teilweise zu, wollte doch der Nationalsozialismus mit dem Judentum auch Kultur, Religion und sein Wertesystem vernichten.

Bodendorfer, Gerhard

Gemeinsame Quelle des Glaubens: Das Erste Testament

Wenn Christen von der Bibel sprechen, dann meinen sie meist das Neue Testament. Dabei gehört das sog. „Alte Testament” für uns unabdingbar zur Einheit der Heiligen Schrift hinzu. In den letzten Jahren hat sich in den Bibelwissenschaften durchgesetzt, nicht mehr vom Alten Testament zu sprechen. Geeigneter scheinen die Bezeichnungen „Erstes Testament”, „jüdische” oder „hebräische Bibel” oder „Tanach” (Abkürzung aus Tora, Nebiim und Ketubim, also Tora, Propheten und Schriften), wie Juden ihre Bibel nennen. Grund für dieses Umdenken ist die Einsicht, daß der Begriff „Altes Testament” den ersten Teil der Bibel als veraltet oder überholt abqualifiziert. Festgehalten werden soll, daß die Bibel nur in ihrer Einheit Heilige Schrift ist.

Gelungene Beispiele einer Verständigung

Ein Tag im jüdischen Wien

Wir waren eine kleine Gruppe aus der evangelischen und der katholischen Pfarre Schwanenstadt, und wir wollten mehr über jüdisches Leben und jüdischen Glauben kennenlernen. Zunächst führte uns Markus Himmelbauer zur katholischen Kirche “Am Tabor”. Die Außenfassade wurde vom jüdischen Künstler Arik Brauer gestaltet. Auf mich machte dieses Mosaik einen starken Eindruck: Es zeigt, wie stark wir Christen im Judentum verwurzelt sind – nicht nur verschwistert! Wollen wir diese unsere Wurzeln leugnen, graben wir uns selbst das Wasser ab. Am nahen jüdischen Gymnasium, das bewacht werden muß, zeigen weitere Bilder von Arik Brauer Szenen aus dem Buch der Sprüche.

Suche