Grazer Komitee für christlich-jüdische Zusammenarbeit

Offener Brief an die Israelitische Kultusgemeinde Graz

S. g. Herrn
Präsidenten Gérard Sonnenschein
Israelitische Kultusgemeinde Graz

Sehr geehrter Herr Präsident!

Angesichts der Ereignisse, die durch die Entscheidung des Papstes am 25.1.2009 ausgelöst wurden, ist es uns ein Anliegen, uns mit diesem Brief an die Israelitische Kultusgemeinde zu wenden, um ihren Mitgliedern Folgendes zu versichern:
Mit Entsetzen haben wir, der Vorstand des christlich-jüdischen Komitees in Graz, die Entscheidung des Papstes aufgenommen, die Exkommunikation für die vier Bischöfe der Piusbruderschaft St. Pius X. aufzuheben. Wir kritisieren nicht die Absicht des Papstes, einer abgespaltenen Gruppe die Hand zu reichen. Aber wir halten es für völlig inakzeptabel, eine Bruderschaft, die mit antijudaistischen Äußerungen hervortritt, wieder in die römisch-katholische Kirche einzugliedern, und das nach dem II. Vatikanischen Konzil. Ganz besonders empört uns die Rücknahme der Exkommunikation für den Holocaust-Leugner Williamson. Auch wenn Papst Benedikt der XVI. Bischof Williamson am 4.2.2009 aufgefordert hat, sich eindeutig und öffentlich von seinen Äußerungen zu distanzieren und sich in der letzten Woche selbst klar gegen jede Holocaust-Leugnung ausgesprochen hat, bleibt die Entscheidung unverständlich.
Wir unterstützen alle Äußerungen, in denen die Leugnung der Schoa verurteilt wird.
Wir sehen die Ereignisse der letzten Wochen als die Bestätigung des Auftrags, den das christlich- jüdische Komitee sich selbst gegeben hat, nämlich jeglichem Antisemitismus zu wehren und für den christlich-jüdischen Dialog einzutreten, den wir weiterhin zielstrebig verfolgen werden. Wir sind dankbar für alle Beziehungen und die gute Zusammenarbeit zwischen dem christlich-jüdischen Komitee, den Kirchen und der Israelitischen Kultusgemeinde, die in über 15 Jahren gewachsen sind. Wir werden uns das Miteinander von Christen und Juden nicht zerstören lassen und den gemeinsamen Weg des christlich-jüdischen Dialogs unbeirrt weitergehen.


17. Februar 2009
Mag. Sabine Maurer, Vorsitzende

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