43 jüdische Gräber auf dem Wiener Zentralfriedhof geschändet

Der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit verurteilt aufs Schärfste die Schändung jüdischer Gräber auf dem Wiener Zentralfriedhof. Präsident Professor Martin Jäggle drückt gegenüber der Israelitischen Kultusgemeinde Wien sein Entsetzen darüber aus und übermittelt seine Anteilnahme.

Ein Blick in die Zeitungsarchive zeigt, dass diese Schandtat in letzter Zeit kein Einzelfall ist: Es finden sich Meldungen über Vandalenakte in Hohenems (4. Juni), Székesfehérvár (Ungarn, 2. Juni), Wiesloch (Baden-Württemberg, 31. Jänner), Delmenhorst (Niedersachsen, 18. Juni). Im Mai hatten Rechtsextremisten das Denkmal für den schwedischen Diplomaten und Judenretter Raoul Wallenberg (1912-1947) in Budapest geschändet. Erst jüngst wurden in Strassburg (Frankreich) drei Männer zu Haftstrafen verurteilt, die am 27. Jänner 2010, dem Holocaust-Gedenktag, jüdische Gräber zerstört hatten. Diese Ereignisse machen deutlich, welch gewalttätiges Potenzial im Antisemitismus heute immer noch schlummert.

„Noch immer ist nicht gewährleistet, dass Jüdinnen und Juden unbelästigt und selbstverständlich in Europa leben können; selbst an Toten vergreift man sich“, sagt Koordinierungsausschuss-Präsident Jäggle: „Es wird sichtbar, wie notwendig es ist, dass die Kirchen und einzelne Christinnen und Christen stets auch konkrete Zeichen der Solidarität mit den jüdischen Gemeinden zeigen. Gläubige wissen um die Bedeutung von Friedhöfen und Gräbern auf dem Weg zur Vollendung; und sie sollten mit Blick auf die eigene Geschichte gelernt haben, das bleibende Band zwischen Kirchen und Judentum in ihren Taten zu bezeugen.“

Die Arbeit des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit hat in diesem Zusammenhang eminente gesellschaftliche Bedeutung: Begegnungen ermöglichen, Judenfeindschaft beim Namen nennen und stets an die tiefe Verbundenheit von Kirchen und Judentum zu erinnern.

29.06.2012

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