Der biblische und der christliche Gott

In der Festspielausgabe 2010 der Salzburger Nachrichten nimmt der Autor Michael Köhlmeier zur Kritik am heurigen Festspielmotto Stellung: "Wo Gott und Mensch zusammenstoßen, entsteht Tragödie". Dabei fallen erstaunliche Sätze über das Judentum und das Christentum. Erstaunlich für einen, der die gesamte Bibel nacherzählt hat. Man meint, er hätte dabei nicht wirklich gelesen, was darin steht.

"Der biblische Gott ist der Gott eines einzigen Volkes. ... Der hebräische Gott steht auf der Seite seines Volkes, und nur dort steht er." Wem gilt wohl der erste Bundesschluss der Bibel nach der Sintflut? Wem gelten die Verheißungen der Endzeit, wenn alle Völker zum Zion ziehen? Wem gelten die noachidischen Gebote?
Gott ("zunächst treten in der Genesis gleich zwei auf: Jahwe und Elohim") "gibt seinem Volk in den zehn Geboten einen moralischen Codex." Hat Gott nur zehn Gebote gegeben? Und in den ersten davon geht es auch nicht primär um Moral.
Und dann noch das klassische Match - der alttestamentliche gegen den (natürliche besseren)  neutestamentlichen Gott: "Der christliche Gott dehnt diese Moral auf die gesamte Menschheit aus. Er ist ein globaler Gott. Das ist die zweite ethische Revolution. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, sagt Jesus. Das ist mehr als erstaunlich. Vor dieser Forderung gehen wir in die Knie, und dennoch ist es der schönste Satz der Menschlichkeit, der je auf dieser Erde gesprochen wurde."
Der Bibel-Nacherzähler Köhlmeier hat Leviticus (3. Buch Mose) 19,17-18 wohl überlesen.

Das Interview mit Michael Köhlmeier ist auf der Website der Salzburger Nachrichten nachzulesen.
Dort kann es im Forum auch diskutiert werden.

Markus Himmelbauer

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