Kinder gehören nicht ins Gefängnis

Die Kirchen und Religionsgemeinschaften in Österreich haben einen Schulterschluss für die Wahrung der Kinderrechte vollzogen. Anlass dafür sind jüngste Fälle, bei denen minderjährige AsylwerberInnen in Schubhaft geraten sind. Vertreter der katholischen Kirche, der evangelischen und orthodoxen Kirchen sowie des Islam und des Judentums bekannten sich am 21. Oktober zur Aktion der Plattform "Gegen Unrecht". Gemeinsam schlossen sie sich deren Forderungen an.

Nicolae Dura, Bischofsvikar der Rumänisch-orthodoxen Kirche und Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, begründete sein Engagement theologisch: "Die Kinder gehören zum Reich Gottes und sind Vorbild." Allein aus diesem Grund verstehe man solche "Verletzungen", wie die Inhaftierung von Minderjährigen, nicht.
"Wir wollen deutlich Ja sagen zur Aktion gegen Unrecht", bekräftige der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker die Unterstützung. Die Forderungen der Hilfsorganisationen - "Kinderrechte gehören ohne Abstriche in die Verfassung" - seien immer Forderungen der Kirchen und Religionsgemeinschaften gewesen. Der Schulterschluss sei nichts Ungewöhnliches, betonte Bünker. Zuletzt habe es diesen bei der Ausarbeitung des Integrationsplans gegeben.
Der katholische Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer, in der Bischofskonferenz für die Caritas zuständig, bezog sich auf die UN-Kinderrechtskonvention: "Das Wohl des Kindes ist vorrangig", Schubhaft für Kinder sei eine schwere Verletzung des Völkerrechts. Daher seien getrennte Abschiebungen "zu unterlassen" und gelindere Mittel anzuwenden, etwa eine regelmäßige Meldepflicht bei den Behörden. Im Bleiberecht ortet Scheuer eine Rechtsschutzlücke, da man sich gegen Stellungnahmen der Sicherheitsdirektion nicht wehren könne. Zudem kritisierte der Bischof die "ständige Vermengung" von Asyl und Sicherheit sowie kolportierte Zahlen von untergetauchten Asylwerbern. Der Großteil handle "korrekt und kooperativ".

Auch die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) unterstützt "Gegen Unrecht". Fuat Sanac, Vorsitzender des Schurarates, forderte einen "geordneten Umgang" mit der Problematik. "Es ist nicht einzusehen, dass schuldlose Kinder für die Fehler der Behörden büßen müssen." Eine Festnahme sei daher indiskutabel sowie unmenschlich und unwürdig.

Rabbiner Schlomo Hofmeister, der für die Israelitische Kultusgemeinde Wien (IKG) das Wort ergriff, verwies auf die oft gepriesenen Werte des christlich-jüdischen Abendlandes, die man allerdings auch leben müsse. Wenn bestehende Gesetze diese Werte untergraben, müssten diese Gesetze geändert werden. Hofmeister: "Hier ist der Gesetzgeber gefragt." Er zog einen zeitgeschichtlichen Vergleich: "Deportation und Auseinanderreißen von Familien haben eine Geschichte in diesem Land, und sie sollten der Vergangenheit angehören."
Unterschreiben Sie die Petition auf www.gegen-unrecht.at!

epd, Markus Himmelbauer

Link

www.gegen-unrecht.at

Suche