Dem Anderen begegnen

Ich habe öfters eine Spurensuche nach Orten und Zeugnissen jüdischen Lebens im Burgenland unternommen. Jedes Mal waren die Teilnehmer erstaunt, an wie vielen solcher Spuren sie oft vorübergegangen waren, ohne sie zu bemerken. Viele waren verstört, denn plötzlich wurde das Schicksal der Juden sehr konkret.

Ähnliches beobachte ich in den Kirchen. Wir sind uns bewusst, dass Christentum und Judentum irgendwie zusammenhängen. Und wenn wir auch aus dem „Alten Testament“ lesen, so bleibt es für viele doch ein Vorübergehen ohne je innezuhalten und genauer hinzuschauen.

Am Tag des Judentums sind wir aufgerufen, tatsächlich innezuhalten und nachzudenken, was das Judentum für unseren Glauben bedeutet und das Jüdische darin selbst wahrzunehmen – auch wenn das Unsicherheit hervorruft. Auf diese Verstörung kommt es an: Über das Andere entdecken wir eine neue Dimension und Tiefe in unserem Glauben.

Der Tag des Judentums gibt uns die Chance, die Jahrhunderte alte verhängnisvolle und leidvolle Trennung von Juden und Christen heute zu überwinden.

Christoph Konrath
Vorstandsmitglied im Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit.

Suche

Termine