Dies Facultatis

Der Dies Facultatis der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien stellte am 14. Oktober 2010 das Judentum ins Zentrum seiner Aufmerksamkeit. Die Dokumentation der damals gehaltenen Vorträge erscheint nun in der Quartalsschrift Dialog - Du Siach/ christlich-jüdische Informationen.

Die Studienpläne für die katholischen theologischen Studien sehen erstmals seit 2008 „Einführung in das Judentum“ als Pflichtlehrveranstaltung vor. Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Wien hat diese Aufgabe nicht, wie üblich, den Bibelwissenschaften, sondern der Systematischen Theologie, konkret der Fundamentaltheologie mit Prof. Wolfgang Treitler, zugewiesen. Dort ist auch die Ökumenische Theologie angesiedelt. Die Auseinandersetzung mit dem Judentum gehört in die Mitte der Theologie. Damit ist auch die Gefahr vermieden, Judentum primär als biblisches Thema, als Thema der Anfänge der Kirche einzuordnen. In gewissem Sinne findet diese Entscheidung Rückhalt in der Tatsache, dass auch im Vatikan die Kommission für den religiösen Dialog mit dem Judentum beim Päpstlichen Rat für die Förderung der Einheit der Christen angesiedelt ist.

Das 625-Jahr Jubiläum des Bestehens der Katholisch-Theologischen Fakultät im Jahre 2009 war Anlass für einen geschichtlichen Rückblick, der aufmerksam machte, dass die Fakultät in das große mittelalterliche Judenpogrom 1421, die Wiener Gesera, involviert war. In einem fakultären Projekt erforscht nun PD Karl-Heinz Steinmetz diese Zeit und die Rolle der Theologen damals.

Diese beiden Gründe waren der Anlass, den Dies Facultatis 2010 in Zusammenarbeit mit dem Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit dem Thema Judentum zu widmen. Diese Ausgabe der Quartalsschrift Dialog – Du Siach dokumentiert nun die Präsentationen am Dies Facultatis. Für uns heute mögen davon Impulse ausgehen, wohin der Weg der Erneuerung der katholischen Theologie führen möge. Spätere Generationen sollen hierin ein Zeitdokument finden, wie weit der Weg des christlich-jüdischen Dialogs 45 Jahre nach Nostra Aetate des Zweiten Vatikanischen Konzils fortgeschritten war.

Ich danke der Referentin und den Referenten für ihre Beiträge und ich danke jeder und jedem an unserer Fakultät, die oder der in Forschung Lehre dieses Thema vertieft und weiter trägt.


Univ.Prof. Dr. Martin Jäggle
Ordinarius für Religionspädagogik und Katechetik und Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien sowie Vizepräsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit.

Dialog-Du Siach 82

Jänner 2011

Inhalt


Erinnerung und Hoffnung eingedenk des Judentums
Von Manfred Scheuer

Der Blick auf die älteren Geschwister
Zur Bedeutung des Judentums für das Studium katholischer Theologie
Von Wolfgang Treitler

Die sich ihren Glauben zum Asyl erwählten“
Eine Skizze zum theologiegeschichtlichen Hintergrund der Wiener Gesera (1421)
Von Karl-Heinz Steinmetz

Ein Gast, der nicht kommen konnte: Irving Greenberg
Von Ingeborg Gabriel

Christliche Überlegungen zu „Dabru emet“
Von Helmut Nausner

Der christlich-jüdische Dialog – ein persönlicher Zugang
Von Willy Weisz

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