Mauthausengedenken mit Musik eines deklarierten Antisemiten

Eine öffentliche Absage an eine Einladung ins Parlament

Sehr geehrte Frau Präsidentin des Nationalrats Mag. Barbara Prammer,
sehr geehrter Herr Präsident des Bundesrates Gottfried Kneifel,

vor einigen Tagen hat eine Einladung für den „Herrn Vizepräsidenten“ (des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit) den Weg in meinen Briefkasten gefunden: Bei einer Veranstaltung „gegen Gewalt und Rassismus“ soll im Parlament der Opfer des Nationalsozialismus gedacht werden. Edel und gut, wäre da nicht auf der gegenüber liegenden Seite als Teil des Programms die „Mauthausenkantate“ von Mikis Theodorakis angeführt.

Sie muten es einem Wiener Juden mit Wiener Wurzeln zu, im Gedenken an die Vertreibung seiner Eltern 1938 und der Ermordung eines großen Teils der Familie der Musik eines im Jahre 2011 bekennenden Antisemiten zu lauschen.

Am 4. November 2003, anlässlich der Präsentation eines seiner Bücher, verkündete Theodorakis: „Wir sind zwei Nationen ohne Brüder auf dieser Welt, wir und die Juden, aber sie sind gewalttätig und leiden an Fanatismus“ und folgerte dann: „Heute kann man sagen, dass diese kleine Nation die Wurzel des Übels ist“. Dem weltweiten Aufschrei folgte am 12. November eine wirre Erklärung, in der er – ohne seine Aussage zurückzunehmen – sich beschwerte, dass man ihn des Antisemitismus bezichtigte; in dieser Erklärung wird auch der verbrecherische Anschlag auf die israelischen Sportler bei den olympischen Spielen in München als „incidents of 1972“ banalisiert. Das genügte jedoch seinen Apologeten, ihn als das verfolgte Opfer und nicht den Täter hinzustellen.

Doch es kommt noch besser: Im Februar 2011 deklarierte sich Theodorakis in einer Fernsehsendung wörtlich als „Anti-Israel und Antisemiten“ und fuhr fort: „Alles, was heute in der Welt passiert, hat mit den Zionisten zu tun“ und „Amerikanische Juden stehen hinter der Weltwirtschaftskrise, die auch Griechenland getroffen hat“. Auch diesmal antwortete er denen, die auf seine Aussagen aufmerksam machten, in einer Stellungnahme vom 9. Februar 2011. Darin gibt er zuerst den Juden selbst, genauer deren Rabbinern, die Schuld an der Ermordung der Juden aus Thessaloniki, denn die Griechen selbst hätten ihnen ja den Weg für ein Entkommen gewiesen. Und im vor-vorletzten Absatz kulminiert sein Antisemitismus in der Aussage: „Es ist ein paradox der Geschichte, dass die Hauptopfer des Hitlerismus“ - als die er davor die Juden beschrieben hatte - „jetzt die Methoden des letzteren für die globale Vormachtstellung genau nachmachen“.

Alle Aussagen sind ohne viel Anstrengung im Internet, insbesondere auf den Web-Seiten von Mikis Theodorakis selbst nachzulesen.

Da ich fürchte, dass mir bei so viel Scheinheiligkeit – Gedenken an die Nazi-Opfer mit Musikbegleitung eines deklarierten Antisemiten – übel wird und ich mich übergeben muss, möchte ich das ohnehin stark strapazierte Budget des Parlaments nicht durch zu erwartende zusätzliche Reinigungskosten belasten und werde daher an der Veranstaltung am 5. Mai 2011 nicht teilnehmen.

Mit (nicht ganz) freundlichen Grüßen
Willy Weisz

Update 15.04.2011: Die Mauthausen-Kantate von Mikis Theodorakis wurde vom Programm des parlamentarischen Festakts am 5. Mai gestrichen.

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