Holocaustvergleiche sind nicht beliebig

Tier-KZs, Protest gegen nationale Burschenschafter, aber auch in Jerusalem: Alexia Weiss berichtet in ihrem Blog in der Wiener Zeitung über Männer und Kinder im Stadtteil Mea Schearim in Kleidung, die an jene von KZ-Insassen erinnert, den gelben Judenstern an die Brust geheftet. Sie fühlen sich von den säkularen Teilen der israelischen Gesellschaft verfolgt. Und setzten in ihrer Protestinszenierung diese "Verfolgung" mit jener durch die Nationalsozialisten gleich.

2009 hat der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit eine Erklärung verfasst: Abtreibung - Jeder Vergleich mit dem Holocaust ist abzulehnen.

Ruth Wodak im Standard

Die Sprachwissenschaftlerin und Antisemitismusforscherin Ruth Wodak analysiert im Standard, warum sich FPÖ-Burschenschafter und HC Strache sich als Opfer und durch Pogrome verfolgt fühlen. Die Übernahme der Opferrolle gehe mit der "antisemitischen Vorstellung Hand in Hand, dass Juden so unglaublich mächtig seien, dass es eine jüdische Weltverschwörung gebe". Als - laut Strache - "neue Juden" fühlten sich Antisemiten daher einerseits bedroht, andererseits aber auch mächtig; die Vermengung der beiden Stereotype ergibt jedenfalls einen Widerspruch. Und zwar vor dem Hintergrund einer "zunehmenden Enthistorisierung des Nationalsozialismus", der laut Wodak, "äußerst gefährlich" ist: "Holocaustvergleiche werden immer beliebiger, wie man im vorliegenden Fall sieht."
So sei vor wenigen Jahren die Intensivhaltung von Schweinen, Hühnern und anderen Nutztieren den Leiden von Menschen in Konzentrationslagern gleichgesetzt worden, erinnert sie an eine Kampagne der US-Tierschutzorganisation Peta. Das sei "völlig inakzeptabel - doch im Smoking auf einem Ball stehen, am Champagner nippen und Demonstrationen gegen dieses Ereignis mit der Reichskristallnacht vergleichen ist absurd, euphemistisch, und zudem einfach falsch".
Gegen ein solches "Relativieren der Schrecklichkeiten der Judenverfolgung" müsse die Unhaltbarkeit von derlei Vergleichen immer wieder ins Bewusstsein gerufen werden. Im vorliegenden Fall zeigten Straches Judenvergleiche deutlich, welche Ansichten in der FPÖ kursierten: "Jeder Demokrat muss sich von Derartigem distanzieren."

Markus Himmelbauer

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