Dialog der Religionen

Am 17. Mai 2016 hat in der Wiener Tandelmarktgasse ein Podiumsgespräch zum Thema »Der christlich-jüdische Dialog aus Sicht der jüdischen Gemeinden« stattgefunden. Eine spürbare Zurückhaltung der jüdischen Gemeinden, manchmal auch verbunden mit Skepsis und etwas Argwohn in diesem Dialog ist durchaus zu verstehen. »Dialoge« zwischen Juden und Christen in der Vergangenheit hatten offen oder verdeckt immer das Ziel, die jüdischen „Dialogpartner“ zum Christentum zu bekehren.

Die Kirchen haben nach der Shoa ganz offiziell der Judenfeindschaft eine Absage erteilt. Es gibt aber in allen Kirchen noch viele Menschen mit der Auffassung, dass die Kirche bei ihrer Mission die Juden nicht ausklammern soll. Hier haben die Kirchen noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

Beim Gebrauch des Begriffes »Dialog« für Gespräche zwischen Christen und Juden sollte die Verwendung dieses Begriffes für die zahlreichen Dialoge zwischen den verschiedenen Kirchen bedacht werden. Nach dem Ende des 2. Vatikanischen Konzils im Jahre 1965 haben Gespräche zwischen der Römisch-katholischen Kirche und allen anderen Kirchen begonnen. Das Ziel dieser Gespräche ist es, einander besser verstehen zu lernen und Missverständnisse abzubauen, vor allem aber Wege zur christlichen Einheit zu finden.

Dieser tiefliegende Wunsch nach christlicher Einheit kann, ohne es bewusst wahrzunehmen, auch Dialoge zwischen Juden und Christen bestimmen. Im Dialog zwischen Christen und Juden geht es aber keinesfalls um irgendwelche Einheit, sondern ganz grundsätzlich darum, einander in der jeweiligen Andersheit zu verstehen, anzunehmen und zu respektieren. Ich halte es für wichtig, diese mögliche Ambivalenz auf christlicher Seite anzusprechen und bewusst zu machen.

Helmut Nausner

20.5.2016

 

 

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