Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit missbilligt umstrittene UNESCO-Resolution

21.20.2016. - Im Exekutivrat der UNESCO – dem Gremium, das zwischen den alle zwei Jahre stattfindenden Generalkonferenzen die Geschäfte dieser Einrichtung führt – wurde eine am 12. Oktober 2016 eingebrachte Resolution zu „Occupied Palestine“ am 18. Oktober unverändert angenommen. Verfasst wurde sie von Algerien, Ägypten, dem Libanon, Marokko, dem Oman, Katar und dem Sudan. Der stellvertretende palästinensische Unesco-Botschafter Munir Anastas sagte: "Die Resolution erinnert Israel daran, dass es die Besatzungsmacht in Ostjerusalem ist." Der Staat Israel wird dementsprechend in dem Dokument nie anders angesprochen als mit „Israel, the occupying Power“. Er rief die israelische Regierung auf, den "Missbrauch" islamischer Kultstätten zu beenden, etwa durch archäologische Grabungen.

Zwar heißt es in Paragraph 3: „Affirming the importance of the Old City of Jerusalem and its Walls for the three monotheistic religions“, der Wortlaut der Resolution negiert jedoch jeden nichtmuslimischen religiösen Bezug zum Tempelberg. Der Platz vor der Klagemauer, dem letzten Rest des im Jahre 70 n.d.Z. von der römischen Besatzungsmacht zerstörten jüdischen Zentralheiligtums, wird durchgehend als „Al-Buraq Plaza ‚Western Wall Plaza‘“ bezeichnet. Der Tempelberg, der Ort, an dem der jüdische Tempel stand, um den sich die Gebete jüdischer Menschen seit zweitausend Jahren täglich drehen, den auch Jesus von Nazareth besuchte, kommt ausschließlich als „Al-Aqṣa Mosque/Al-Ḥaram Al-Sharif“ vor.

Die Resolution wurde von 24 Staaten angenommen – neben den islamischen Ratsmitgliedern unter anderem auch Brasilien, China, Mexiko, Russland, Südafrika und Vietnam –, nur sechs waren dagegen, nämlich Deutschland, Estland, Großbritannien, Litauen, die Niederlande und die USA. Außerdem gab es 26 Enthaltungen, darunter die von Argentinien, Frankreich, Griechenland, Indien, Italien, Japan, Schweden, Slowenien, Spanien und der Ukraine. Dieses Abstimmungsverhalten hat verschiedentlich scharfe Kritik ausgelöst. Das gilt auch für Italien, wo Giuseppe Laras, der Vorsitzende des Rabbinatsgerichts für Nord- und Mittelitalien, am Donnerstag im „Corriere della Sera“ auch am christlichen Schweigen zu der UNESCO-Resolution Kritik übte. Er stelle sich die Frage, ob man aus dem diesem Schweigen schließen müsse, dass der „jüdisch-christliche Dialog eine Farce war und ist.“

Empörte Reaktionen

Zahlreiche empörte Reaktionen folgten auf die Annahme der Resolution. Israels Bildungsminister Naftali Bennett warf der UNESCO vor, die "tausendjährigen jüdischen Verbindungen zu Jerusalem" zu ignorieren. Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, hat die UNESCO aufgefordert, ihren jüngsten Beschluss zu Jerusalem zurückzunehmen, „der den jüdischen Charakter des Jerusalemer Tempelberges komplett negiert“.

Auch die Gemeinschaft Sant’Egidio „missbilligt“ die Resolution der Programm-Kommission der UNESCO. Die Wortwahl in der Resolution über „den Schutz des kulturellen Erbes Palästinas und den besonderen Charakter von Ostjerusalem“ widerspreche der Berufung der UNESCO als internationaler Organisation zum Schutz des kulturellen Erbes der Welt und diene „politischen Zwecken“. Der – „trotz der Bedenken von UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova verabschiedete“ – Text leugne die tausendjährige Verbindung des Volkes Israel mit dem Ort, an dem der Erste und der Zweite Tempel stand, heißt es in der Erklärung von Sant’Egidio. Auf diese Weise werde nicht nur die religiöse Sensibilität von Millionen Juden beleidigt, es würden auch unwiderlegbare historische und archäologische Fakten geleugnet, die aber die Heiligkeit des Geländes für die Gläubigen anderer Religionen nicht in Frage stellen. Abschließend heißt es in der Erklärung, Jerusalem – dessen Name „Stadt des Friedens“ bedeute – dürfe nicht mehr für politische Zwecke instrumentalisiert werden, sondern sollte ein Ort der Begegnung und des Miteinanders auf der Grundlage einer erneuerten Suche nach Frieden sein, die auf dem „notwendigen Dialog zwischen Christen, Juden und Muslimen“ basieren müsse.

Koordinierungsausschuss: Kirchen sollen sich äußern

Der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit schließt sich dieser Erklärung an. Zurecht werde kritisiert, dass in der Resolution die Verbindung des Volkes Israels mit dem Ort seines ersten und zweiten Tempels geleugnet werde, erklärte der Präsident des Ausschusses, Univ. Prof. em.  Dr. Martin Jäggle. "Der Koordinierungsausschuss ersucht die Kirchen sowie die politisch Verantwortlichen in Österreich, sich für eine Rücknahme dieser Resolution einzusetzen", so der Appell des Wiener Theologen.

Darauf, dass es nicht nur um die Außerachtlassung der jüdischen Geschichte des Tempelbergs gehe, machte der jüdische Vizepräsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdischen Zusammenarbeit, Dr. Willy Weisz, aufmerksam: „Es wäre eigentlich Aufgabe der Kirchen aufzuschreien […] Jerusalem und der Tempel waren und sind zwar Zentren des jüdischen Lebens und Denkens, aber nicht Teil deren Ursprungs. Sehr wohl aber liegt der Ursprung der christlichen Religion im jüdischen Jerusalem und seinem Umfeld. Mit dem Stumm-Sein der christlichen Würdenträger verleugnen die Kirchen ihren eigenen Ursprung.“

 

Den Originaltext der UNESCO-Resolution finden Sie hier: http://www.unwatch.org/wp-content/uploads/2016/10/UNESCO-Jerusalem-resolution-draft-of-Oct-12-2016.pdf

 

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