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Coordinating Committee for
Christian-Jewish Cooperation |
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Anke Neuenfeldt, Johannes Schiller
Hören und liebenDialogpredigt von Univ.Ass.Dr. Johannes Schiller (römisch-katholisch) und Pastorin Anke Neuenfeldt (evangelisch-methodistisch) zum 17. Jänner 2010 - Tag des Judentums in der röm.kath. Herz-Jesu Kirche Graz.
Liebe Gottesdienst-Gemeinde! Hören und gehört werden ist ein wichtiger Teil unserer Beziehungen. Durch Zuhören entsteht Zuge-hör-igkeit. Das gilt in der Kommunikation von Mensch zu Mensch ebenso wie für die Beziehung zwischen Mensch und Gott. Die Bibel des Judentums, unser altehrwürdiges Erstes Testament, ist voll von Hinweisen darauf:
In den Psalmen, aber auch in Eigennamen wie Samuel oder Ismael kommt das zum Ausdruck: Gott ist einer, der hört. "Höre, Israel! Adonaj ist für uns Gott, einzig und allein Adonaj ist Gott. So liebe denn Adonaj, Auf das Bekenntnis zu dem einen und einzigen Gott folgt der Aufruf zur Liebe. Das Organ dieser Liebe ist zuallererst das Herz. „Herz“ ist hier weniger der Ort der Gefühle und Stimmungen, wie das für uns zur üblichen Vorstellung geworden ist. Während wir den Verstand im Kopf lokalisieren, ist in den biblischen Texten das Herz der Sitz der Erkenntnis und des Willens. Höre, Israel! (...) Die Worte, die ich dir heute gebiete, sollen dir am Herzen liegen." Das Liebesverhältnis zwischen Gott und seinem Volk kommt auch darin zum Ausdruck, wie nahe die Worte Gottes den Menschen kommen sollen: ans Herz gelegt, damit sie zu allen Zeiten und an allen Orten bei ihnen sind. Als „Zeichen an der Hand“ und als „Schmuckstück zwischen den Augen“ heben sie Israel als Geliebte hervor. Ich möchte nun den Bogen spannen zum Zweiten Testament. Wir haben in der Lesung aus dem Evangelium nach Markus die Frage nach dem wichtigsten Gebot gehört. Jesus bezieht sich auf das „Höre, Israel“ in seiner Antwort: Gott lieben mit ganzem Herzen und Verstand, mit jedem Atemzug, Gott allein. Wie könnte das aussehen?
Führen wir den Bogen nun noch einmal zurück zum Text aus dem Deuteronomium und spannen ihn dadurch weiter. Hören und Lieben, Ohr und Herz - dieser Zusammenhang meint bei Salomo und in den Weisheitssprüchen vor allem die Einsicht des Einzelnen. Im Buch Deuteronomium wird die Perspektive erweitert: Höre, Israel! Das ganze Volk wird hier angesprochen, wenn Mose an der Grenze zum verheißenen Land die Gebote Gottes noch einmal vorträgt. Diese Gemeinschaft reicht über Generationen - und sie ist auch nicht auf die eigenen vier Wände beschränkt. Das Wort Gottes gilt auf der Straße ebenso wie über die Grenzen der Stadt und die Stadttore hinaus.Und diese soziale Dimension der Gottesbeziehung wird noch einmal sichtbar in dem, was Israel geschenkt ist: Städte und Häuser, Zisternen, Weinberge und Olivenhaine sind die Grundlage für ein Leben ohne Armut und ohne Abhängigkeit. Die Zeit, in der dieser Text entsteht, hat allerdings ganz und gar nichts von einem „Zauber des Anfangs“, im Gegenteil! Nach der Ausbreitung des Assyrischen Reiches im Alten Orient war von Israel nur mehr ein kleiner Rest übriggeblieben. Die Selbständigkeit war bedroht - politisch, ökonomisch und auch religiös. In dieser Situation richtet sich der Blick in die Vergangenheit und in die Zukunft zugleich. Das Nachdenken über die Anfänge des Volkes in der Wüste ist ein Akt der Hoffnung. Es ist ein Zeichen des Glaubens an die eigene Zukunft, an das Leben und Weiterleben im Land. Das „Höre, Israel!“, der erste Teil unseres Textes, wird von Jüdinnen und Juden bis heute täglich gebetet. Es ist Ausdruck einer besonderen Gottesbeziehung - einer Beziehung, die auf Erfahrungen in der Geschichte beruht und auch schon die eine oder andere Belastungsprobe bestanden hat. Wenn wir als Christinnen und Christen uns auf diesen Gott Israels beziehen wollen, ohne ihn zu vereinnahmen, brauchen wir als erstes ein gutes Gehör: „Höre Israel zu!“ Auch Jesus verweist im Markusevangelium ja zurück auf das, was in der Bibel Israels gesagt ist. Das „Höre Israel“ und das Gebot der Nächstenliebe aus der Tora zeigen uns, was zuerst zu Israel gesagt ist. Wenn wir Christinnen und Christen das ernst nehmen, ohne unsere älteren Geschwister im Glauben zu verdrängen, dann sind auch wir nicht fern vom Reich Gottes. Amen. |