Wissenschaftliche Beratung
Mag. Johannes Reiss, Direktor des Österreichischen Jüdischen Museums in Eisenstadt.
Im Jahr 1670 fand die relativ junge, dafür aber umso bedeutendere jüdische Gemeinde der kaiserlichen Metropole ihr Ende, als die Wiener – und in weiterer Folge dann auch die niederösterreichischen – Jüdinnen und Juden auf Befehl Leopolds I. das Land zu verlassen hatten.
Die so genannte Judenstadt im »Unteren Werd«, einem Gebiet jenseits des Donaukanals außerhalb der Stadtbefestigung (im heutigen zweiten Bezirk gelegen) wurde in »Leopoldstadt« umbenannt, eine der drei Synagogen in eine dem Heiligen Leopold geweihte Kirche umgestaltet.
Im Ghetto im Werd hatte seit 1625 die wachsende jüdische Gemeinde Wiens unter kaiserlichem Schutz und weitgehender innerer Autonomie gelebt, während ihr das Betreten der Stadt nur während des Tages gestattet war. Repressalien und Gewalttaten gegen die Wiener Juden häuften sich mehr und mehr in den 1660er-Jahren; schließlich gipfelten diese in der vollständigen Ausweisung im Jahr 1670.
Aggressive Gegner der Judenschaft waren die Studenten der Universität, die sogar die Judenstadt stürmten, die dann eigens von Soldaten bewacht werden musste. Weitere judenfeindliche Gruppen sind die Bürger und Kaufleute der Stadt, die wirtschaftliche Konkurrenten der Juden waren. Entscheidend für die Vertreibung war wahrscheinlich die aus Spanien stammende – streng katholische – Kaiserin Margareta, die es abgelehnt hatte, während ihrer Schwangerschaft eine silberne Wiege von den Juden als Geschenk anzunehmen.
Ihr zur Seite stand der Bischof Kollonitsch, ein erklärter Feind des Judentums.
Ein Teil der Wiener Jüdinnnen und Juden findet - nach einer mehrjährigen Zwischenstation in Nikolsburg - schließlich in Eisenstadt eine neue Heimat.
Eintritt: Spenden erbeten
Beschränkte Platzzahl - Anmeldung erforderlich
Chistlich-jüdisches Informationszentrum
Tel.: 01/ 4797376
E.:
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